Frankfurter Rundschau vom 15.5.2007

Wer nicht singen will, bekommt eine Kuhglocke

Die integrative Band Rolling Allenstones wirbt mit einer öffentlichen Probe in der U-Bahn-Station Merianplatz für Toleranz im Stadtteil

Die Integrative Band Rolling Allenstones lädt am Mittwochg, 16. Mai, ab 18 Uhr zum Mitspielen ein. Die Gruppe wirbt mit dieser Probe für Toleranz und kulturelle Offenheit im Stadtteil.

NORDEND Fred Lohr, Musikpädagoge der Rolling Allenstones im Frankfurter Nordend , hatte eine großartige Idee:“Üblicherweise heißt es, die Gesellschaft soll die Behinderten integrieren. Jetzt lassen wir die Welt einmal Kopf stehen: Wir laden die so genannten Normalen ein, bei uns mitzumachen.“ Und wer die Truppe und ihren erblindeten Bandleader kennt, weiß: das wird einen wunderbaren Tanz geben.

Axel Nennhaus, Susanne Gleiber, Wolfgang Ritter und Lohr sind seit ihrer Gründung 1998 ein eingespieltes Team. Wo immer sie auftauchen, ist eine Riesengaudi programmiert. Mitten in der B-Ebene der U-Bahn Merianplatz werden die Musiker am kommenden Mittwoch ihre Instrumente auspacken: Gitarre, Saxophon, Schlagzeug, Schellenrasseln, Holzschläger und eine Kuhglocke. Dann kann es losgehen. Wenn die Rolling Allenstones öffentlich auftreten, nimmt deren leichte Handicaps erfahrungsgemäß kaum mehr jemand wahr. „Dann endlich können sie einmal aus ihrer Rolle fallen“, sagt Lohr. „Bei den öffentlichen Proben werden unsere Musiker zeigen, was sie drauf haben.“

Spaßrock heißt nach Angaben der Allenstones-Mitglieder der Musikstil, mit dem sie ihr Publikum zum Tanzen bringen wollen. Wer möchte, kann sich spontan einklinken und mitrocken. Freilich wird die Band, benannt nach den Altrockern um Mick Jagger und der Gründerin einer Behinderten-Selbsthilfegruppe, Isolde Allenstein, besonders ein Lied ausgiebig proben: “Fahr mal wieder U-Bahn“. Erfahrungsgemäß wird dann, wie so oft, am Mittwoch in der U-Bahnstation Merianplatz ein fröhliches Publikum- je nach Temperament – die Hüften schwingen oder dezent mit den Fußspitzen wippen. Irgendwann werden vermutlich einige den leicht abgedrehten Text in schönster Frankfurter Mundart mitsingen:“ Auch am Samstag nur Blech in der City, das macht einen ganz meschugge. Ich sag mir, besser in die U-Bahn und sich den Taunus mal angucke.“

„Passanten integrieren“

Wer singen kann, wird es laut tun. Den anderen, die sich den Gesang lieber für die eigene Badewanne aufsparen sollten, wird der ABAndleader eine Rassel oder eine Glocke reichen.

GITTA DÜPERTHAL